Das Wichtigste in Kürze
- Der kununu Score ist der Schnitt aus allen Bewertungen, von 1 bis 5 Sternen. Es bewerten Mitarbeitende und Bewerbende.
- Laut einer Trendence-Befragung unter 1.647 Bewerbenden achten 89 Prozent auf den Gesamtscore. Unter 2,5 Sternen bewerben sich viele gar nicht mehr.
- Am schnellsten wirkt die Anzahl: Bei wenigen Bewertungen zieht jede einzelne schlechte Stimme den Schnitt weit nach unten.
- Meinungen sind durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Löschen lassen kannst du falsche Tatsachenbehauptungen, Beleidigungen und Verstöße gegen die Plattformregeln.
- Auf Instaffo sprechen Recruiter mit über 300.000 Talenten direkt im Chat. Ein sauberes kununu-Profil hilft dabei, weil Talente vor der Antwort nachschauen.
Warum der kununu Score über deine Bewerbungen mitentscheidet
Talente prüfen Arbeitgeber, bevor sie sich melden. Das ist heute so normal wie der Blick in Produktbewertungen vor einem Onlinekauf.
Laut einer Trendence-Befragung unter 1.647 Bewerbenden nutzen 78 Prozent der Jobsuchenden Bewertungsportale für den Check möglicher Arbeitgeber. Für 89 Prozent ist der Gesamtscore ein ausschlaggebendes Kriterium. Liegt er unter 2,5 Sternen, fällt das Unternehmen für viele komplett raus.
Auch Bitkom hat dazu gefragt, im Februar 2021 und bei 1.005 Personen. 47 Prozent der Internetnutzer lasen Bewertungen über Arbeitgeber, bei den Berufstätigen waren es 52 Prozent. Bei 44 Prozent von ihnen wirkten die Bewertungen auf die Entscheidung über einen Jobwechsel.
Über die Hälfte der Befragten liest zusätzlich die Erfahrungsberichte genauer und vergleicht sie mit dem, was das Unternehmen selbst über sich erzählt. Der Score entscheidet über den ersten Klick, das Vertrauen entsteht in den Texten darunter. Ein Kandidat, der zwei Arbeitgeber vergleicht, gewichtet solche Erfahrungen ähnlich stark wie persönliche Empfehlungen aus dem eigenen Netzwerk.
kununu und Co. sind dabei nicht die einzigen Bewertungsplattformen, Glassdoor spielt vor allem bei internationalen Rollen mit. Im deutschsprachigen Raum ist kununu aber das Arbeitgeberbewertungsportal, auf das Talente zuerst schauen.
Für dich heißt das: Dein kununu-Profil wirkt auf jede Stellenanzeige und jede Sourcing-Nachricht zurück. Es ist die Seite, auf der Talente nachschauen, wenn sie deine Nachricht interessant finden.
Wie der kununu Score überhaupt entsteht
Der Score folgt einer einfachen Rechnung.
Bewertende vergeben Sterne in einzelnen Kategorien: Arbeitsatmosphäre, Vorgesetztenverhalten, Kollegenzusammenhalt, Kommunikation, interessante Aufgaben, Arbeitsbedingungen, Gehalt und Sozialleistungen, Work-Life-Balance und Umwelt- oder Sozialbewusstsein. Die Skala reicht von 1 für sehr unzufrieden bis 5 für sehr zufrieden. Der angezeigte Score ist der Durchschnitt über alle abgegebenen Bewertungen.
In das Profil fließen zwei Gruppen ein: aktuelle und ehemalige Mitarbeitende sowie Bewerbende, die den Bewerbungsprozess bewerten. Beide Gruppen erreichst du mit unterschiedlichen Maßnahmen.
In die Rechnung gehen alle Bewertungen und Beiträge mit demselben Gewicht ein, unabhängig davon, wie ausführlich der Text ist. Für Lesende zählt trotzdem die Qualität der Erfahrungsberichte, weil sie einzelne Aspekte wie Arbeitsklima oder Führung dort konkret nachlesen. Der Score ist für sie ein Faktor unter mehreren.
Wichtig ist der Zeitbezug. Für das Top Company-Siegel verlangt kununu laut Gründer.de mindestens 3,8 Sterne, im Gesamtscore und bei den Mitarbeitenden. Dazu kommen mindestens sechs Bewertungen von Mitarbeitenden. Und mindestens eine davon muss aus den letzten zwölf Monaten stammen. Ein guter Score von 2019 trägt dich also nicht durch 2026.
Warum Anzahl wichtiger ist als Perfektion
Viele Unternehmen stecken ihre Energie darin, eine schlechte Bewertung loszuwerden. Der größere Effekt liegt darin, neue dazuzubekommen.
Ein Rechenbeispiel:
| Bewertungen bisher | Schnitt bisher | Nach einer 1-Stern-Bewertung |
|---|---|---|
| 5 | 4,2 | 3,67 |
| 15 | 4,2 | 4,00 |
| 40 | 4,2 | 4,12 |
Bei fünf Bewertungen reißt eine einzige schlechte Stimme den Schnitt um mehr als einen halben Stern nach unten. Bei 40 Bewertungen sind es acht Hundertstel. Ein Profil mit vielen echten Bewertungen hält Ausschläge also aus.
Dazu kommt, wie Lesende das aufnehmen: Aus vier Bewertungen lässt sich kaum etwas ableiten, aus 40 schon.
So verbesserst du deine kununu Bewertungen
Die folgenden Schritte sind Best Practices, die im Alltag von Recruiting-Teams funktionieren. Kosmetik am Score gehört nicht dazu.
1. Status quo messen
Bevor du etwas änderst, brauchst du Daten: aktueller Score, Anzahl der Bewertungen, Verteilung über die Kategorien und das Datum der jüngsten Bewertung. Diese vier Werte sind deine Baseline. Ohne sie kannst du eine Steigerung später nicht von Zufall unterscheiden. Zähle die Mitarbeiterbewertungen dabei getrennt von denen der Bewerbenden. Für das Top Company-Siegel wertet kununu nur die erste Gruppe, für den Eindruck bei Jobsuchenden zählen beide.
2. Bewertungen systematisch einsammeln
Viele Unternehmen fragen nie nach. Genau deshalb bewerten überwiegend die Unzufriedenen, denn die haben einen Anlass.
Baue das Fragen in bestehende Momente ein:
- Nach dem Onboarding, etwa in Woche vier bis sechs. Da ist der erste Eindruck frisch.
- Beim Offboarding, auch bei Kündigungen von deiner Seite. Ein faires Trennungsgespräch führt öfter zu fairem Feedback, als Führungskräfte erwarten.
- Nach dem Bewerbungsprozess, unabhängig vom Ergebnis. Bewerbende dürfen den Prozess bewerten, und Absagen mit gutem Ablauf lesen sich für Jobsuchende überzeugend.
- Nach Meilensteinen wie Beförderungen, abgeschlossenen Projekten oder Jubiläen.
Verschick die Bitte per E-Mail oder über den internen Chat, nicht im Teammeeting. Ohne Publikum antworten Leute offener.
Formuliere die Bitte neutral. Frag nach einer ehrlichen Bewertung, nicht nach einer guten. Alles andere fällt auf und verstößt gegen die Plattformregeln.
3. Auf jede Bewertung antworten, besonders auf die negativen
Bei einer unbeantworteten Kritik lesen Talente nur die Version der Verfasserin oder des Verfassers. Deine Antwort zeigt dagegen, wie du mit Konflikten umgehst, und darauf achten Lesende.
Was in eine gute Antwort gehört:
- Danke für das Feedback, ohne Floskelketten.
- Ein Satz, der den Kern der Kritik benennt, statt ihn umzudeuten.
- Was du konkret geändert hast oder ändern willst.
- Ein Angebot zum direkten Gespräch, mit Ansprechperson.
Was nicht hineingehört: Rechtfertigungen über drei Absätze, Zweifel an der Echtheit der Person und juristische Andeutungen. Das liest sich für Außenstehende immer schlechter als die ursprüngliche Kritik.
4. Den Bewerbungsprozess wirklich reparieren
Bewerbende bewerten vor allem zwei Dinge: Tempo und Verbindlichkeit. Lange Funkstille produziert genau die Ein-Stern-Bewertungen, die später im Profil stehen.
Das hilft:
- Feste Antwortfristen, etwa 48 Stunden für die erste Rückmeldung.
- Absagen mit einem echten Grund statt Textbaustein.
- Klare Auskunft, wie viele Schritte noch kommen und wann.
Wie du an den größten Zeitfressern ansetzt, steht samt konkreter Tipps im Artikel zum Thema Time-to-Hire reduzieren.
5. Das Profil vollständig pflegen
Das Unternehmensprofil ist deine eigene Darstellung auf der Plattform, und ein leeres Profil sieht aus wie ein Unternehmen, dem das Thema egal ist. Fülle die Felder aus und lade Bilder aus dem echten Arbeitsalltag hoch. Gib Einblicke in die Unternehmenskultur, beschreibe Benefits präzise statt in Superlativen und halte die Standorte aktuell.
Der Score verändert sich dadurch nicht. Aber dieselbe Zahl wird anders gelesen, wenn dahinter ein gepflegtes Profil steht. Liegt dein Score über 4,0, binde ihn zusätzlich auf der Karriereseite deiner Website ein. Dann arbeiten die Inhalte an beiden Stellen für dich.
6. Muster in der Kritik ernst nehmen
Wenn drei Bewertungen dieselbe Führungskraft beschreiben, liegt das Problem in der Führung und nicht im Profil. Sortiere die Kritik nach Themen und nimm die Häufungen mit in die Personalplanung. Bewertungen sind kostenlose, wenn auch unbequeme Mitarbeiterbefragung.
Arbeitgeberreputation entsteht im Betrieb und wird auf der Plattform nur sichtbar. Das Arbeitgeberimage folgt der Zufriedenheit der Mitarbeiter mit Verzögerung, in beide Richtungen. Deshalb gehört der Score in deine Employer-Branding-Strategie, die ohnehin zwischen HR, Recruiting und Marketing geplant wird. Die Arbeitgebermarke hängt an denselben Themen.
Wer hier ansetzt, arbeitet gleichzeitig am Employer Branding, denn beides zieht aus derselben Quelle.
Wenn eine Bewertung unzulässig ist: löschen lassen
Manche Bewertungen sind unzulässig. Die kannst du melden.
Ausschlaggebend ist, ob es sich um eine Meinung oder um eine Tatsachenbehauptung handelt. Meinungen sind generell durch die Meinungsfreiheit gedeckt, auch scharf formulierte. Der Bundesgerichtshof hat schon 2009 im Spickmich-Urteil (VI ZR 196/08) entschieden: Solche Portale sind zulässig, auch ohne Einwilligung der bewerteten Firma.
Gute Chancen hast du bei:
- falschen Tatsachenbehauptungen, etwa einer belegbar falschen Aussage über Gehälter,
- Beleidigungen und Schmähkritik, die keine Sachauseinandersetzung mehr enthalten,
- Nennung einzelner Personen oder interner Informationen, weil das die Privatsphäre der Genannten verletzt,
- fehlendem Bezug zum Unternehmen, also mutmaßlich gefälschten Bewertungen,
- Serienbewertungen mit ähnlichem Wortlaut oder koordinierten Kampagnen.
So gehst du vor:
- Screenshot machen und die beanstandeten Passagen einzeln markieren.
- Über die Meldefunktion im Profil melden.
- Pro Passage argumentieren: wörtliches Zitat, Grund, Beleg, konkrete Forderung.
- Auf die Prüfung durch kununu warten. Die Plattform muss dem Vorwurf nachgehen und prüft in der Regel passagenweise, statt komplett zu löschen.
- Bei Ablehnung nachschärfen oder anwaltlich prüfen lassen.
Meldungen ohne rechtliche Begründung führen selten zum Ziel. Und je früher du reagierst, desto besser, weil die Bewertung sonst monatelang mitgelesen wird.
Drei No-Gos, die den Score langfristig kosten
- Bewertungen kaufen oder von Bekannten schreiben lassen. Ähnliche Muster fallen auf, und gemeldete Fake-Bewertungen fliegen mitsamt Glaubwürdigkeit raus. Das gilt auch als Antwort auf vermutete Fake-Bewertungen von Wettbewerbern: Sammle dort Screenshots und Zeitstempel und melde die Serienbewertungen, statt mit eigenen zu kontern.
- Mitarbeitende zu fünf Sternen drängen. Wer im Teammeeting nach guten Bewertungen fragt, produziert Bewertungen, in denen genau das steht.
- Nur reagieren, wenn es brennt. Ein Profil, das nach einer Krise plötzlich zwölf Fünf-Stern-Bewertungen bekommt, wirkt gesteuert.
